The Circulars: Der WEF und das Prinzip der Kreiswirtschaft.

bildschirmfoto-2016-12-08-um-21-13-50Es ist noch nicht so lange her, dass Michael Braungarts Cradle-to-Cradle-Prinzip zwar interessiert (unter anderem vom Werte-Index 2014), aber häufig auch mit einer gewissen Portion Skepsis beäugt wurde. Cradle-to-Cradle – das meint eine Produktionsweise, die die Umwelt in keiner Weise belastet, weil bei ihr keinerlei Abfälle oder Emissionen entstehen. Lupenreines Cradle-to-Cradle, bei dem tatsächlich die Ziellinie eines „Zero Emission“ eingehalten wird, gilt als eine enorme Herausforderung. Wenngleich damit das Versprechen, unter dem Druck derartig extremer Anforderungen, außergewöhnliche Innovationen zu entwickeln, verbunden war. Die Challenge, betriebswirtschaftlich erfolgreich damit zu sein, bleibt. Oder blieb?

Denn mittlerweile geht das vom World Economic Forum (WEF) ins Leben gerufene Programm „The Circulars“ in die dritte Runde. Dabei prämiert der WEF die vielversprechendsten und erfolgreichsten Ventures, die sich der Mission einer ressourcenschonenden Wertschöpfung verschrieben haben. Dazu gehören aber nicht nur originelle und hippe Start-Ups – sondern in der Kategorie „Circular Economy Investors“ auch millionenschwere Investoren wie die Circularity Capital LLP (UK) oder die ING Bank. Aber auch Regionen und Gebietskörperschaften sind in der Kategorie „Circular Economy Governments, Cities & Regions“ ausgezeichnet. Ganz vorne dabei: die “China Association of Circular Economy“.

Diese Initiative ist gleich in mehrfacher Hinsicht schön und willkommen zu heißen. Vor allem zeigt sie, dass die Prinzipien des „Zero Emission“ oder „Zero Waste“ nicht bloße Steckenpferde von Öko-Nerds sind, sondern das Potential zur disruptiven Kraft haben. Wie das zum Beispiel der Gewinner von 2016 zeigt: LanzaTech hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Kohlenstoff auf Abgasen über einen Fermentationsprozess in neue chemische Grundprodukte umgewandelt werden kann. So entstehen aus Abgasen zum Beispiel Ethanol, das als Treibstoff verwendet werden kann.

bildschirmfoto-2016-12-08-um-21-15-30Ein Finalist der aktuellen Runde ist Patagonia, die wir ebenfalls hier im Blog (schon aus dem Jahr 2011) oder zuletzt auch im Werte-Index 2016 vor den Vorhang holten. Der Produzent von Outdoor-Bekleidung und -Produkten wurde mit einer ökologischen Mission geboren. Diese wird seit jeher unter der Kampagne „Better than new. Worn wear.“ sehr konsequent umgesetzt und bis zum Set-Up eines eigenen Gebrauchtwaren-Shops reicht. 2016 fiel Patagonia durch eine Roadshow auf, auf der Produkte on-the-spot repariert wurden.

Ein prominentes Prinzip der „Circulars“-Nominees scheint zudem das Teilen und Gemeinsame Nutzen zu sein. Und liefert einen weiteren Beleg dafür, dass die Sharing Economy – Teilen einfach und im großen Stil ermöglicht durch vernetzte Technologien – keine bloße Modeerscheinung oder Erfindung von Trendforschern war. Peerby erleichtert den Austausch vorhandener Produkte zwischen Menschen, die in der Nähe von einander wohnen. So kommt man auch wirklich an die Bohrmaschine, wenn man sie braucht, und mitunter ohne dafür in ein Auto steigen zu müssen. HelloTractor vernetzt Traktor-Besitzer mit Kleinbauern, für die der Erwerb und Erhalt eines eigenen schweren Geräts unprofitabel wäre.