Quartiermeister: Trinken hilft – jetzt auch mit Bier.

Im Biermarkt tut sich was. „Trinken hilft“ – ein Werbeslogan der Hamburger Limonade Lemonaid – weitet sich auf andere Getränkekategorien aus. „Fundraising trifft Funddrinking“, hat das Barmagazin Mixology Quartiermeister umschrieben. Bier traut man einiges zu, aber Gutes zu tun, bisher eher weniger. Ein Besuch der Webseite von Quartiermeister liest sich wie ein Best-of aller Eigenschaften, die man einem Produkt nur wünschen kann: Not for Profit, sozial, transparent, regional, partizipativ. Wie ist das möglich? Wie kann ein Produkt so ein positiver Tausendsassa sein?

Sebastian Jacob, der Gründer von Quartiermeister wollte 2009 ein Bier auf den Markt bringen, das den Kiez unterstützt. Hyperlokal – diesen Ansatz verfolgen gerade noch eine Menge anderer Brauereien – in London hat fast jede Postleitzahl ihr eigenes in der Garage gebrautes Bier. Bei Quartiermeister geht es jedoch nicht primär um die Renaissance von Braukunst und Trinkmanufaktur, sondern eine Wiederbelebung der Nachbarschaftlichkeit und sozialem Engagement. Supermärkte wollen heute moderne Marktplätze sein, die Menschen aus der Gegend beim Einkaufen zusammenbringen – oft eher Marketingfloskeln, als wirkliche Erfüllung des Versprechens. Sebastian Jacob wiederum verfolgt des Ansatz: Nachbarschaft über gemeinsames Engagement zu schaffen. Quartiermeister Bier soll ein Bier aus der Gegend für die Gegend sein. Im Quartiermeister Manifest werden die Regeln offengelegt, nach denen die Marke funktioniert. „Wir wirtschaften nicht, um damit reich zu werden, sondern um unsere Kieze zu bereichern. Alle unsere Gewinne fließen in gute lokale Projekte. Du kannst mitentscheiden, wohin unsere Förderung geht“, heißt es auf der Webseite. Quartiermeister ist Unternehmen, Verein und Biermarke in einem und strebt nach einem Konsum der etwas bewegt.

Der Wert Transparenz wird konsequent gelebt: Auf der Webseite lassen sich die Quartalsergebnisse nachlesen und für welchen Posten, wieviel Kosten angefallen sind. Derzeit gehen nach eigenen Angaben von Quartiermeister pro Liter Quartiermeister-Bier im Schnitt 0,15 bis 0,20 Euro an soziale Projekte. Über die Verwendung der erzielten Beträge kann jeder mitentscheiden, der möchte. Die bisherigen Förderungen gingen entsprechend auch in lokale Projekte in Berlin, wie beispielsweise für Bürgerinitiative gegen Mieterhöhungen am Kottbusser Tor oder die „Schilleria“, ein Mädchencafé in Neukölln. Aktuell kann man online für eines von 5 ausgewählten Kiezprojekten abstimmen. Die drei Projekte, die die meisten Stimmen bekommen haben werden mit jeweils 1.000 € gefördert. Pro Quartal findet diese Abstimmung über die Internetcommunity statt. Inzwischen ist „gutes Trinken“ mit Quartiermeister auch nach Leipzig, München und Brandenburg expandiert und wurde bereits von der Robert Bosch Stiftung für zukunftsweisendes Engagement ausgezeichnet.

Quartiermeister zeigt ähnlich wie Viva con Agua oder Lemonaid, dass Genuss und Spaß mit sozialem Engagement verknüpft  werden können, ohne dass man den moralischen Zeigefinger heben muss. Engagement findet heute auf neuen Wegen statt – häufig etwas beiläufiger, aber nicht weniger effektiv. Wenn Zeit zur knappen Ressource wird sind Innovationen, die es möglich machen, dass soziales Engagement auch leicht und fast nebenbei standfinden kann durchaus eine Alternative. Quartiermeister, Lemonaid oder Viva con Agua sind aus der Idee geboren worden, Produkte mit einem sozialen Mehrwert auf den Markt zu bringen.

Für etablierte Unternehmen ist die Integration von sozialem Handeln eine Herausforderung. Doch die Mühe lohnt. Laut einer Umfrage von Nielsen zahlt sich Engagement auch aus: Denn immer mehr Deutsche sind bereit, CSR-orientierte Unternehmen – also solche, die sozial verantwortlich handeln, durch den Kauf ihrer Produkte und Leistungen zu belohnen. Das funktioniert jedoch nur dann, wenn wie in den genannten Beispielen auch transparent gezeigt wird, welche Projekte konkret gefördert werden.