Ohne Werte wird man krank.

Wenn Sie so eine Tasse bei Kollegen sehen – aufgepasst! Wer seine Arbeit doof findet, für den hat sie keinen Wert. Und das ist gefährlich. Letzte Woche beleuchtete Prof. Günther Funke auf dem Forum DNA – Das Neue Arbeiten in einer kurzen Keynote einen Aspekt, warum Werte und Sinn essentiell für Unternehmen sind, der in diesem Blog bisher noch zu kurz kam: Ohne Werte wird der Mensch krank.

„Es ist nicht die Anzahl der gearbeiteten Stunden, die den Menschen ins Burn-Out treiben – es ist der Mangel an Sinn.“, formulierte Prof. Günther Funke den Zusammenhang. Funke – selbst noch Schüler des Begründer der Logotherapie Viktor Frankls – führt die Zunahme der Burn-Out-Fälle und anderer psychischer Belastungsstörungen darauf zurück, dass der eigentliche Sinn und Zweck der Arbeit für viele nicht nachvollziehbar oder verständlich ist. Das betrifft nicht nur das Große und Ganze – die Vision des Unternehmens. Das betrifft vor Allem auch den ganz normalen Unternehmensalltag: Lähmende Meetings, in denen es nicht darum geht, was gesagt wird, sondern wer es sagt. Entscheidungen, bei denen die eigentlichen Umsetzer außen vor gelassen. Ständiges Multi-Tasking, in dem jede Arbeit ihre Verständlichkeit und ihren roten Faden verliert. Die Fremdbestimmung regiert. Kein Wunder, dass rund 70% der Selbständigen ihren Schritt in die große Freiheit/Unsicherheit damit begründen, ihr eigener Chef sein zu können: eigene Ziele setzen, selbst Entscheidungen treffen und selbst die Früchte der eigenen Arbeit ernten.

Dass es nicht die Arbeitsbelastung ist, die krank macht, ruft neue Maßnahmen in der Gesundheitsprävention von Unternehmen auf den Plan. Dann geht es nicht nur um eine erfolgreiche „Work-Life-Balance“ oder Fitness-Einheiten, die bürostuhl-lahme Körper auf Trab bringt. Es geht vor allem um Werte und Sinn: Jedem Einzelnen vermitteln zu können, dass sein Dasein im Unternehmen Sinn ergibt – für ihn selbst und für das größere Ganze. Das Konzept des „Creating Shared Value“ liefert hier einmal mehr ein großartiges Framework: Die Erfolgsgleichung des Unternehmens wird vom ökonomischen Profit alleine um soziale und ökologische Gewinne erweitert. Das erst lässt ein Unternehmen langfristig erfolgreich bestehen. Für die „sozialen Gewinne“ braucht man nicht in ferne Länder schweifen – das Soziale beginnt bei der eigenen Belegschaft. Hier gilt es, zu investieren: In eine Unternehmenskultur, in der sich die einzelnen Mitarbeiter entfalten können. In der sie erfahren, dass sie wert-voll und einen Gewinn darstellen – mit allen ihren Stärken und Vorlieben: „Ich kann etwas bewirken. Ich habe hier einen Stellenwert.“ In Führungskräfte, die vorleben, dass es nicht reicht, Ziele zu erfüllen, sondern dass es darum geht, selbst Ziele zu haben und zu formulieren.

Viktor Frankl prägte die Formulierung des „Willen zum Sinn“: Sinn ist demnach das Ergebnis einer aktiven Entscheidung. Sinn ist nicht etwas, das einem passiert oder das sich einfach ergibt. Diese Entscheidung trifft der Einzelne, indem er auf seine Umwelt und seine Lebenssituation reagiert. In Anbetracht dessen gilt es, zu entscheiden, wie und welchen Sinn er stiften kann. In werte-orientierten Unternehmen müssen sich diese Frage alle Beteiligten stellen: Unternehmer und Führungskräfte gleichermaßen wie Mitarbeiter. Jeder Einzelne ist gefordert, Sinn zu stiften – der Welt mit offenen Augen zu begegnen und zu sehen, wo man einen Unterschied machen kann. In der aktuellen Studie des Coca-Cola Happiness-Instituts (unter Mitarbeit des Trendbüro) herrscht unter den befragten Experten des Delphi-Panels Einigkeit: Die eigenen Werte zu kennen ist die wichtigste Fähigkeit zum Glück. Wer weiß, was ihm wichtig ist, kann sein Handeln darauf ausrichten und wird bemerken, dass es einen Unterschied bewirkt. Unternehmensentscheider und Führungskräfte müssen dafür sorgen, dass der einzelne Mitarbeiter erfährt, dass es nicht nur legitim, sondern für eine erfolgreiche Unternehmenskultur notwendig ist, eigene Werte, Ziele und Wünsche zu formulieren. Denn nur dann wird der Einzelne seine Arbeit als tatsächlich sinnvoll erfahren – und Erfolge feiern können, die wirklich wichtig für ihn sind. Und das hält nicht nur glücklich, sondern auch gesund.