Julian Vester: “Wir sind intern komplett transparent und auch gegenüber unseren Kunden.”

Julian Vester ist Gründer der Agentur Elbdudler. Sein Ziel bei der Gründung war es eine Agentur zu schaffen, in der er selber gerne arbeiten würde. Dafür geht er auch mal ungewöhnliche Wege und lebt den Wert Transparenz voll aus. Werte-Index hat er verraten, warum bei ihm weder Mitarbeiter noch Kunden an Transparenz vermissen müssen – diese aber nicht immer so ganz leicht durchzusetzen ist.

Welchen Stellenwert sollte Arbeit heute haben? Was macht Arbeit wertvoll?
Die Zeiten Arbeit als reinen Gelderwerb zu sehen sind vorbei. Arbeit sollte Freude machen. Es ist eine der wichtigsten Wege um sich selbst zu verwirklichen. Die Rufe nach work-life-balance sind meiner Meinung nach nur das Kämpfen gegen ein Symptom. Das Ziel muss sein, dass der Mitarbeiter mündig über seinen Einsatz bestimmt. Fremdbestimmte Vorgaben wie das Abschalten von Mailservern bevormunden den Mitarbeiter und beheben das Problem nur oberflächlich. Es ist sicherlich noch ein langer Weg bis der Mitarbeiter flächendeckend mit Respekt behandelt wird aber genau das macht dann Arbeit wertvoll.

Julian in Deiner Agentur Elbdudler dürfen Mitarbeiter selbst bestimmen, welches Gehalt sie
bekommen dürfen. Soviel Offenheit ist vor allem in Deutschland eher ungewöhnlich. Wie
funktioniert das konkret?

Das Gehaltsmodell lässt sich nicht isoliert betrachten und wahrscheinlich auch nicht so einfach
adaptieren. Man braucht dafür fruchtbaren Boden und den haben wir über lange Zeit hin
vorbereitet. Dieser besteht bei uns aus vollkommener Transparenz. Jeder kann jede Zahl im
Unternehmen einsehen und soll alles hinterfragen. Dazu kommt eine außerordentlich erwachsene
Kommunikationskultur. Auf dieser Basis lässt sich dann so etwas das einvernehmliche Gehalt
bauen. Wir haben dafür ganz einfach eine öffentliche Liste mit den IST- und den Wunschgehältern
gemacht. Sein Wunschgehalt hat jeder Mitarbeiter durch zwei bis fünf Kollegen in einem
Feedbackgespräch verhandelt. Die Summe der neuen Gehälter haben wir dann gemeinsam
diskutiert. Es gibt drei Parteien in diesem Prozess, die Mitarbeiter mit ihrem gemeinsamen
Wunschgehalt, den Geschäftsführer, der gerne Rücklagen bilden will und den Inhaber, der
Gewinne erwirtschaften will. Wenn die Ansprüche jeweils begründet sind, gibt es keinen Grund,
dass man sich nicht einig wird.

Warum hast Du dich für diese Vorgehensweise entschieden?
Entschieden haben das alle Mitarbeiter gemeinsam. Ich ging mit meinem Mitgründer schon lange
mit dieser Idee schwanger und das schwierigste war den Anfangspunkt zu finden. Es gibt aber
keinen richtigen Zeitpunkt dafür und deshalb habe ich im letzten Herbst die Idee einfach vor den
Mitarbeitern präsentiert und wir haben gemeinsam beschlossen es zu probieren.

Studien belegen, dass es der sogenannten Generation Y eher weniger um Status und Karriere geht, sondern vielmehr um die Wertschätzung ihrer Leistung und das individuelle Eingehen auf ihre Bedürfnisse. Welche Reaktionen kamen vom Team bei der Neueinführung? Wie wirkt sich diese neue Offenheit auf das Arbeitsklima aus? Macht Transparenz zufriedener?
Zunächst mal war das ein ganz schönes Brett und keiner brach in Jubel aus. So etwas elementares und existenzielles wie das Gehalt neu zu denken, löste bei vielen erstmal Unsicherheit aus. Vor allem weil es ja noch nicht Gang und Gebe ist und wir nicht wussten ob es funktioniert. Transparenz macht im ersten Schritt nicht unbedingt zufriedener, weil man sich auf einmal mit allen möglichen Dingen auseinander setzen kann und muss. Und man kann sich auch nicht mehr selber in die Tasche scheißen und sich seine kleine Welt so auslegen, wie man möchte. Transparenz bedeutet mittelfristig aber auch, dass man sein Handeln und Wirken auch erkennen kann. Das trennt dann auch die Schnacker von den Machern. Und dies wiederum führt zu weniger Frustration und somit auch zu mehr Zufriedenheit.

Transparenz ist ein Wert, den vor allem Konsumenten von Unternehmen fordern. Im Zuge von „Big Data“ ist diese Forderung noch lauter und dringlicher geworden. Inwiefern lebt ihr als Social Media Agentur auch das intern vor, was ihr Kunden als beratende Agentur nahelegt?
Wir sind intern komplett transparent und auch gegenüber unseren Kunden. Wenn mal etwas nicht
klappt, versuchen wir das nicht schön zu reden, sondern suchen mit dem Kunden nach Lösungen.
Das führt im Idealfall zu langfristigen partnerschaftlichen Kunden-Agentur-Beziehungen. Ich habe
auch kein Problem damit unsere Zahlen unseren Kunden offenzulegen. Bei uns wir keiner verarscht.

Mehr über Julian Vester:

1983 in Bayern geboren, in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen und zum Lehramtsstudium für
die Berufsschule nach Hamburg gekommen. Dieses erfolgreich abgebrochen um mit einem
Kommilitonen Ende 2009 zu Gründen. Und zwar mit dem Anspruch eine Firma aufzubauen, in der
wir selber gerne arbeiten würden.

http://elbdudler.de/