Grundeinkommen? Mark Zuckerberg gefällt das.

Bildschirmfoto 2017-06-29 um 21.01.48Mark Zuckerberg klinkt sich in eine der spannendsten Diskurse ein, die es in der Gegenwart zu führen gilt: In einer Ansprache an der Harvard University Ende Mai, spricht er sich dafür aus, diese Idee zumindest auszuloten und in Betracht zu ziehen. Seine Argumente zielen vor allen darauf ab, dass ein Grundeinkommen jedem Einzelnen ermöglichen würde, seine eigenen Ideen zu verfolgen. Und er sieht das Grundeinkommen als adäquate Reaktion auf immer unstabilere Erwerbskarrieren in der sogenannten Gig-Economy.

Das bedingungslose Grundeinkommen selbst ist keine neue Idee, etabliert sich in der jüngeren Vergangenheit aber zunehmend und stetig als nicht ganz jenseitige Idee. 2016 stimmten die Schweizer in einer Volksabstimmung zwar dagegen – aber: immerhin 22 Prozent stimmten für dieses Modell, das auch heute immer noch gerne in die Ecke entweder linker Sozialromantiker oder neoliberaler Wohlfahrtsstaat-Abschaffer gestellt wird. Finnland ist in dieser Beziehung wieder einmal Frontrunner und hat Anfang 2017 ein bedingungsloses Grundeinkommen von 560 EUR in einem Pilotversuch für 2.000 Personen eingeführt. Seitdem blickt die Welt gespannt auf die ersten Erkenntnisse: Wie reagieren die Menschen auf das Bürgergeld? Welche Auswirkungen hat es auf die Beschäftigung? Auf die Motivation zu arbeiten? Auf das Engagement in Ehrenämtern? Auf die Lebensqualität jedes Einzelnen und in Gemeinschaften/Gemeinden?

Auftrieb bekommt die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen auf alle Fälle durch die zunehmende Automatisierung. Angesichts des erwarteten Verlusts von Arbeitsplätzen stellt es ein sehr einfaches Modell dar, mit dem existentielle Gefahren für breite Bevölkerungsschichten abgefedert werden können.

Bildschirmfoto 2017-06-29 um 21.02.03Das bedingungslose Grundeinkommen stellt uns aber nicht nur vor praktische Herausforderungen der Umsetzung – sondern vor allem auch vor moralische: Positiv formuliert ermöglicht die garantierte und bedingungslose Existenzsicherung eine andere Lebensplanung und -gestaltung. Wie Zuckerberg es formuliert: Es wird vielen Mensch erst möglich, ihre eigentlichen Ideen und Werte zu verfolgen, wenn sie von der Notwendigkeit der Existenzsicherung entbunden sind. Auch weil es ihnen noch möglich ist, gewisse Risiken einzugehen. In diesem Sinne ist das Grundeinkommen auch als Maßnahme der Innovationsförderung zu verstehen. Das zeigt sich auch schon nach den ersten Monaten des Versuchs in Finnland: „Wir sehen jetzt schon, dass viele zusätzliche Jobs annehmen“, sagt Toronen, [die Leiterin des Experiments]. Damit zahlen die einstigen Arbeitslosen auf einmal mehr Steuern und geben mehr Geld für Konsum aus. „Viele haben auch ein Unternehmen gegründet. Sie hätten sich das vorher nicht getraut, weil sie keine finanzielle Absicherung hatten.“ (Zitat aus der Wirtschaftswoche) Einen weiteren positiven Befund zieht Ökonom Ernst Fehr: „Was man definitiv sagen kann, ist: Die Menschen sind weniger gestresst und dadurch zufriedener.“ (ebd.)In der Zwischenzeit übt man seit ein paar Jahren auch in Deutschland schon: Auf www.mein-grundeinkommen.de tun sich seit einigen Jahren Bürger zusammen, um gemeinsam ein Grundeinkommen von EUR 1000/Monat zu finanzieren – wer es bekommt, wird gelost. Bisher kamen 94 Menschen in seinen Genuss. Ihre Geschichten sind hier zu lesen.