“Es liegt nicht an den Menschen, sondern an den Regeln.”

Dr. Johannes Merck ist als Direktor Corporate Responsibility für die umwelt- und gesellschaftspolitischen Aktivitäten der Otto Group verantwortlich. Das Unternehmen ließ vor Kurzem aufhorchen, als es ankündigte, die Incentives ihrer Führungskräfte an das Erreichen von CR-Zielen zu knüpfen. Über dieses und andere Engagements im Rahmen der “CR-Strategie 2020” spricht Dr. Johannes Merck im Interview mit werteindex.de.

Was sind die wichtigsten Eckpunkte der „CR-Strategie 2020“ der Otto Group? Was zeichnet sie besonders aus?

Mit unserer CR-Strategie verfolgen wir fünf Ziele: Wir wollen bis 2020 die CO₂-Emissionen halbieren und für Eigen- und Lizenzmarken nur noch nachhaltige Baumwolle und nachhaltiges Holz mit FSC-Zertifikat verwenden. Auch die Hälfte des Katalog- und Werbemittelpapiers soll bis dahin FSC-zertifiziert sein. Schon bis 2015 sollen alle Lieferanten für Eigen- und Lizenzmarken in unser Sozialprogramm integriert sein, mit dem wir nicht nur die Einhaltung von Sozialstandards überprüfen, sondern vor allem auch die Bedingungen vor Ort verbessern wollen. Mit der Strategie fokussieren wir uns darauf, unsere Kerngeschäftsprozesse nachhaltig auszurichten. Dabei geht es auch und vor allem um Prozesse in der Lieferkette. Denn hier liegen die größten Potenziale, Belastungen auf Umwelt und Gesellschaft zu verringern – das hat auch die faktenbasierte Analyse mit unserem neuen Nachhaltigkeitsmanagement impACT gezeigt.

Die Otto Group arbeitet seit Anfang des Jahres mit einem Incentive-System für ihre Führungskräfte für das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen. Wie funktioniert das in der Praxis?

Ein Teil der variablen Vergütung der Vorstände ist seit diesem Geschäftsjahr konkret mit der Erreichung der CR-Ziele verknüpft. Hierfür haben wir jährliche Meilensteine definiert, die es zu erreichen gilt. Über umfassende Erfahrungen können wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch keine Auskunft geben.

In der „Sustainable Apparel Coalition“ arbeitet die Otto Group mit anderen Herstellern und Händlern zusammen. Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Zusammenarbeit?

Die Verbesserung der ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen in den globalen Lieferketten unserer Zeit ist eine fordernde und komplexe Aufgabe. Hier braucht es die Kraft der Vielen. Wir alle haben dieselben Themen und Herausforderungen, warum also nicht Wissen und Tatkraft bündeln, um einen Unterschied zu machen?

Theorie und Praxis zeigen: Die Werte eines Unternehmen müssen von jedem Mitarbeitern gespürt und gelebt werden. Wie schafft das die Otto Group?

Verantwortungsvolles Wirtschaften ist schon seit langem ein Grundprinzip bei der Otto Group und somit tief in der Unternehmenskultur verankert. Das hat auch sehr viel mit der Unternehmerpersönlichkeit Dr. Michael Otto zu tun, der dieses Prinzip vorlebt und beispielsweise schon in den 1980er Jahren den Umweltschutz als Unternehmensziel ausgegeben hat. Dass dies auch unsere Mitarbeiter verinnerlicht, haben konnten wir mit unserer Mission „Die Kraft der Verantwortung“ erleben. Hier waren alle Kolleginnen und Kollegen aufgerufen, mit eigenen Engagements Verantwortung zu übernehmen. Das Ziel von 4.000 Engagements wurde innerhalb eines Jahres erreicht.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit als CR-Direktor an? Was liegt Ihnen in Ihrer Arbeit besonders am Herzen?

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das in Wirtschaft und Gesellschaft noch immer viel zu wenig Beachtung findet. Das liegt nicht an den Menschen, sondern an den Regeln, nach denen die Wirtschaft funktioniert. Deshalb müssen wir neben der praktischen Arbeit auch an den Rahmenbedingungen arbeiten, damit die Spielräume für umwelt- und sozialverantwortliches Handeln weiter wachsen.