Die neue Verheißung für mehr Einfachheit im Alltag: Digital organisierte Butler und Concierges

Manche würden Bequemlichkeit oder gar Faulheit als Beweggrund anführen, um sich eine „Alltagshilfe“ zuzulegen, andere die steigende Komplexität in der Leistungsgesellschaft. Fakt ist, dass neue Serviceleistungen entstehen, die uns das Leben im Alltag erleichtern sollen, weil sie einerseits Zeit schenken oder besser freischaufeln und zum anderen eine Expertise mitbringen, die wir selbst nicht haben.

Vor einigen Jahren traten all jene Dienste ins Rampenlicht, die beim heimischen Entrümpeln des Kleiderschrankes halfen. Dog Walker sind inzwischen auch in Deutschland ein etabliertes Tätigkeitsfeld, während man in New York schon als „Dog Runner“ arbeiten kann, um anspruchsvollen Hunden in wenig Zeit möglichst viel Auslauf zu garantieren. Analog boomt die Coaching Szene, die auch jenseits von reinen Business-Fragen, „Beratung“ anbietet, wie z.B. für (werdende) Mütter. Die Maternity Concierge Larissa Krex aus Hamburg will bei der Entscheidungsfindung rund ums Kinderkriegen weiterhelfen und den nötigen Filter anlegen. Auf der Webseite heißt es: „Von der besten Krankenhaus- und Ärztewahl über Ihr Wunschkinderzimmer bis hin zum perfekten Styling & Fitnessplan oder dem idealen Vornamen: der Maternity Concierge Service findet in dieser für Sie wichtigen Zeit exklusiv auf Sie zugeschnittene Lösungen, Experten und Produkte höchster Qualität.“ Von der Produktrecherche für das Baby, der Babyshower-Partyplanung und Vornamenssuche oder den Kauf des Kindersitzes – bei allen Steps, die werdende Eltern erwartet, kann die Maternity Concierge helfen. Neben der Einzelberatung gibt es als Alternative die FamilyPrep Academy, die die Zielgruppe „in moderner Atmosphäre auf eine wunderbare Zeit mit Ihrem Baby und die praktischen Herausforderungen des Elternwerdens“ vorbereitet. Spitze Zungen würden sagen, dass dies ja Teil des Elternwerdens sei und es mit Hebamme und Freundes- und Familienkreis ja auch sonst immer geklappt habe. Das mag sein. Zeigt jedoch ein Angebot wie dieses, wie sich Elternwerden heute auch verändert hat, mehr geplantes Projekt als Zufall ist. Entsprechend soll alles möglichst gut strukturiert ind ei Wege geleitet werden. Die sogenannten „Helicopter Parents“ fühlen sich bei einem Maternity Concierge sicher gut aufgehoben und verstanden.

Apphilfe
Neben diesen persönlichen Services gibt es eine neue Generation von Hilfe, die technologisch begründet ist. Den Anfang haben Apps wie Evernote gemacht, die dabei helfen aus der Vielzahl an Informationen und Snippets im Alltag einen geordneten Informationskatalog zu zaubern. Aber auch online zeigen Plattformen wir „helpling“ oder „Book a Tiger“, dass „Haushalts-Perlen“ dank des Netzes sehr effizient gefunden werden können. Selbst Männer lassen sich mit Hilfe neuer Plattformen leicht „organisieren“, wie z.B. über die Seite ManServants, die ausschließlich männlichen Support bietet.

Einfachheit bedeutet Reisen ohne Gepäck
In Singapur bietet der Service Packnada wortwörtlich Erleichterung, weil er Vielfliegern das Gepäck abnimmt. Zielgruppe all jene, die häufig das gleiche Ziel ansteuern. Bis zu 20 Kleidungsstücke werden in einem ausgesuchten Hotel deponiert. Der Reinigungsservice wird nach jedem Aufenthalt von Packnada organisiert. Wer möchte kann auch Zahnbüste und Rasierapparat ordern.

Einfachheit bedeutet einen Butler zu haben
Nun kommen neue, avancierte Formate heraus, wie z.B. die App „Alfred Club“. Alfred ist Gewinner der „Battlefield“ im Rahmen der Start-Up Konferenz „Disrupt“. Die Idee kurz skizziert: ein Dienst, der lästige Haushaltsaufgaben automatisch erledigt. Es ist das erste “menschliche Betriebssystem”, sagen seine Schöpfer, die Gründer des Bostoner Start-Ups. Die Kompetenz von Alfred liegt darin, verschiedene Dienste in einem zu bündeln und dadurch Komplexität für den Nutzer zu reduzieren. Im Prinzip ist Alfred eine Personalvermittlung für alle jene Services, die vorher separat voneinander vermittelt wurden. Das Start-Up selbst spricht lieber von einer Community aus vielen verschiedenen Alfreds, die in den Einsatz kommen die Kunden je nach Kompetenz zu unterstützen. Geplant ist auch eine Zusammenarbeit mit bereits existierenden Apps wie Washio (für Wäsche), Task Rabbit (für Umzug, Reparatur, Reinigung u.a.), oder Instacart (für Lebensmitteleinkäufe). Die Zielgruppe: Mütter, Berufstätige, Ältere. Einkaufen, Wäschereinigung oder frische Blumen für die Wohnung besorgen– alles ist möglich bei Alfred, der Community-Butler.

Nach der Anmeldung bekommt der Kunde seinen persönlichen „Alfred“ zugewiesen, der wie ein super smarter Assistent agieren soll. Passend zu den Bedürfnissen und dem Wochenverlauf wird ein Plan erstellt, der es möglich macht, dass sich alles in Zukunft wie von selbst erledigt. Heißt: es werden nicht nur Lebensmittel geliefert, sondern sie werden auch entsprechend an den richtigen Ort in der Wohnung platziert. Hier liegt der Mehrwert gegenüber anderen bereits existierenden Diensten. Mit „Alfred“ wir der persönliche Alfred zum unsichtbaren Butler in der Wohnung. „Come home happy. We’re on a mission to make your life easier and more delightful“ verspricht die Webseite und fordert dazu auf, sich sein „Peace of mind“ für 25 Dollar die Woche oder 99 Dollar im Monat zu gönnen. Einfachheit ist eben nicht umsonst. Bisher ist der Dienst nur in den USA verfügbar. Liest man die ersten Nutzerkommentare so möchte man Alfred am liebsten gleich zu sich nach Zuhause einladen. Adieu Multitasking, adieu Alltagsmanagement, Alfred erledigt alles für Dich.

Während der Concierge Service etwas ist, was in der Hotellerie gewissermaßen Standard ist, tüftelt man in dieser Branche schon an der nächsten Generation von Abhilfe. Im ALoft Hotel  in Cupertino versorgt „Botlr“, ein kleiner Roboter, die Gäste mit Snacks, Zeitschriften oder begleitet sie auf ihr Zimmer. “I see this as an enhancement to our customer service. It’s not going to be a replacement for our human talent.”, sagt Brian McGuinness, der Vize-präsident der Starwood Hotels in einem Interview.

Die Beispiele verdeutlichen, dass der Wert Einfachheit nicht als Rückzug ins einfache Leben durch Abschottung von der Welt erzielt wird, sondern indem die Komplexität geschickt ausgelagert wird. Managen soll jemand anderes übernehmen. Marken und Unternehmen, die neue Komplexitäten von Konsumenten rechtzeitig erkennen, schaffen ein Differenzierungskriterium und unter Umständen einen Vertrauensbonus, weil sie vermitteln: ich verstehe Dich und Deine alltäglichen Herausforderungen, so banal diese vielleicht zunächst erscheinen mögen. Natürlich ist ein gewisses Investment an Zeit und Wissen auch von Nutzerseite notwendig, um den passenden Dienst auszusuchen. Im Idealfall verwandeln sich die neuen „Perlen“, ob nun als Person oder App in heiß begehrte Lebensbegleiter.