Corporate Responsibility gemessen: In Deutschland gibt es noch Verbesserungspotentiale

Unternehmen stehen nicht nur im Wechselspiel mit ihren Mitarbeitern und Geschäftspartnern, sondern auch gesamtgesellschaftlich. Soziale Verantwortung und Engagement zahlen sich aus, auch weil Konsumenten längst nicht mehr nur vereinzelte Produkte oder Marken kaufen, sondern das Gesamtbild des Unternehmens zur Kaufentscheidung mitherangezogen wird.

Doch wer engagiert sich in Deutschland jenseits von reinen PR-Maßnahmen wirklich? Wo ist unternehmerisches Engagement mehr als kurzfristige Charity und Worthülse und stattdessen fester, ernstgemeinter Bestandteil der Wertschöpfungskette?

Nur wenige sind so präsent wie die Drogeriekette dm, deren Unternehmensgründer sich auch medial deutlich mit seiner Unternehmensphilosophie und dem verbundenen gesellschaftlichen Engagement positioniert.
Doch mediale Präsenz muss nicht gleichzeitig auch tatsächliche Umsetzung bedeuten und andersherum, engagieren sich viele Unternehmen, erzählen davon aber wenig.

Lässt sich CSR messen?

Laut der Bertelsmann Stiftung ja.  Die Webseite der Bertelsmann Stiftung klärt auf„”CSR messen” erarbeitet Methoden und Instrumente, um die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen besser erfassen zu können. Ziel ist es, Transparenz und Glaubwürdigkeit von Unternehmenshandeln zu verbessern.“

In dem nun erstmals veröffentlichten ‘CRI Corporate Responsibility Index’ der Bertelsmann Stiftung zeigt sich deutlich, dass Unternehmensengagement noch zu wenig in das Tagesgeschäft integriert ist und als ausgegliedertes „Silo“ nicht entsprechende Relevanz zugeschrieben bekommt.
Deutsche Unternehmen haben laut des Index noch erheblichen Nachholbedarf, wenn es darum geht, CSR strategisch und praktisch umzusetzen. Verbale Befürwortung ist vorhanden: In 73 Prozent der Unternehmen bewerten Vorstand und Geschäftsführung Aktivitäten, mit denen sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. An der tatsächlichen Umsetzung hapert es allerdings, denn lediglich 39 Prozent der Firmen integrieren Corporate-Responsibility-Maßnahmen in ihre Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten.

Es herrscht das Phänomen vor, das sich auch im Interview mit Unternehmensphilosoph Dominik Veken herauskristallisierte: Wertekulturen bestehen oftmals mehr auf dem Papier, nicht jedoch im den Köpfen und Herzen aller Unternehmensbeteiligten. Immerhin in zehn Prozent aller befragten Unternehmen ist gesellschaftliche Verantwortung Teil der Gesamtstrategie.
Im Index schneiden die Unternehmen besonders gut ab, bei denen CR-Ziele „Chefsache“ sind. Eine klare Ziel und Zielerreichung gehören dazu, um Wertekultur nicht ins Leere laufen zu lassen.

CR zahlt sich aus und wird zum „Must-Have“ aus Konsumentensicht

Umso erstaunlicher, dass in Deutschland noch ein erheblicher Nachholdbedarf in Sachen CR besteht, weil betriebswirtschaftlicher Erfolg und Konsumentenvertrauen eng daran gekoppelt sind. Ressourcenschonung beispielsweise verbindet CR Strategie mit Kosteneinsparung, was der betriebswirtschaftlichen Sicht zu Gute kommt. Diese Win-Win Situation erkennen laut Index 67 Prozent der befragten Unternehmen.

Im aktuellen CRI-Index geht BMW als erfolgreichstes Deutsches Unternehmen hervor. Weitere Vorzeigebeispiele in ihrer jeweiligen Branche sind die DZ Bank unter den Finanzdienstleistern, die Hamburg Airport unter den Logistikunternehmen, die Jungheinrich Aktiengesellschaft unter den Maschinen- und Anlagenbauern, die LR Facility Services unter den Dienstleistungsunternehmen, die Phoenix Contact GmbH in der Kategorie Familienunternehmen und Lebensbaum – Ulrich Walter GmbH aus der Gruppe der mittelständischen Unternehmen.

Diesen Herbst findet die nächste Befragung statt – wir sind gespannt, inwiefern CR an Bedeutung gewonnen hat.

Die Werte-Index-Redaktion verabschiedet sich mit diesem Blogbeitrag in eine kurze Sommerpause. Weiter geht es im September. Bis dahin wünschen wir allen Lesern eine wunderbare Zeit!

Über den ‘Corporate Responsibility Index CRI

Der ‘CRI Corporate Responsibility Index’ der Bertelsmann Stiftung, der Universität Bayreuth und der Concern GmbH untersucht erstmals die relevanten Erfolgsfaktoren unternehmerischer Verantwortung. Die Stichprobe umfasst sowohl Großunternehmen als auch mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen. Der ‘CRI Corporate Responsibility Index’ wird alle zwei Jahre erstellt. Die nächste Befragung wird im Herbst 2014 stattfinden.

Weitere Informationen zum CRI und Download der Studie: http://www.cr-index.de/