Alkoholfrei wird sexy: Dry Bars als Antwort auf den Wert Gesundheit

Sobar UKBevor sich das Jahr 2014 dem Ende neigt, wollen wir noch einmal einen kurzen Blick auf unseren Wertesieger im aktuellen Werte-Index werfen, den Wert Gesundheit. “Gesundheit wird zum lebenslangen, vernetzen Projekt, das der einzelne selbst managt. Healthstyle wird zum Lifestyle”, so kann man den Wert Gesundheit laut Werte-Index 2014 kurz skizzieren. Momentan scheint der Wert besonders beim Thema alkoholische Getränke eine Rolle zu spielen, wenn man einen Blick nach UK und in die USA wirft.Die sonst für ihre Pub-Kultur und Trinkfreude bekannten Briten entdecken die Lust am Verzicht auf Alkohol. In London eröffnete 2013 die erste Bar, die statt Cocktails sogenannte Mocktails auf die Karte bringt. Das Motto der Redemption Bar: „Spoil yourself without spoiling yourself.“

Die Idee startete als Pop Up in Londons hippen Stadtteil Hackney und entwickelte sich zu einem eigenen Bar- und Restaurantkonzept. Treiber war die Tatsache, dass heutzutage fast überall Alkohol erhältlich ist und die Möglichkeit sich diesem Einfluss zu entziehen immer schwieriger. “You can’t even go to the cinema now without considering having a glass of wine. But I thought: ‘There’s a way to cut through that, and do the opposite.“, sagt Catherine Salway, die Gründerin der Bar. Sie findet: soziales Miteinander und Alkohol sind viel zu lange als selbstverständliche Verbindung betrachtet worden. In der Redemption Bar werden die Mocktails eingebettet in Gerichte, die alle aktuellen Food Hypes wie vegan, gluten-frei und raw einschließen. Gäste der Redemption Bar sind nicht unbedingt Anti-Alkoholiker sondern Menschen, die bewusst konsumieren wollen und Verzicht als wichtigen Bestandteil ihres Lebens betrachten. Für manche wird der Ort auch zur perfekten Location nach einer durchzechten Nacht, denn: man kommt nicht in die Versuchung weiterzumachen.

Kein Alkohol ist auch (k)eine Lösung: Die neue Nüchternheit

Viele dachten bei den ersten Presseberichten über die Redemption Bar, sie sei ein nettes Nischenangebot, jedoch ohne lange Überlebenschance im feierlustigen London. Inzwischen hat die Bar Nachfolger bekommen. Der Guardian schrieb im Frühling provokant „Is England sobering up“?  und bewies auch mit Statistiken, dass UKs Liebe zum Alkohol nicht mehr so innig ist. Liest man die Menükarten der neuen „Dry Bars“ ist das Leben ohne Alkohol alles andere als langweilig. Die Sobar mixt z.B. Getränke wie „Rhubarb Mimosa“ , „Elderflower Shampagne“ oder einen „Strawberry Daiquiri mocktails“ neben Smoothies mit Weizengras und Löwenzahn. Das The Brink in Liverpool hat Nojitos auf der Karte. Das spannende an den neuen alkoholfreien Bars ist die Tatsache, dass sie einen Hippness- Faktor besitzen und nicht mehr versteckt und verstaubt auftreten. Die Zielgruppe wird weiter gefasst und beschränkt sich nicht mehr auf erklärte trockene Alkoholiker.

Ein soziales Netzwerk mit dem Namen Soberistas widmet sich dem Thema und proklamiert ein neues Leben, ohne Alkohol und in voller Kontrolle. Der Verzicht auf Alkohol rückt stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit und wird zu einem durchaus erstrebenswerten Ziel. Kontrolle ist sexy.

Gesünderer Alkohol

Screenshot Website ZMIXNicht jeder alkoholfreie Ableger wird wie beim Bier zum Erfolg und einem Produkt, für das die Deutsche Fußballnationalmannschaft werben darf.  Alkoholfreies Bier wird vom „Autofahrer Bier“ zum Trend-Getränk für Sportliche. „Lag deren Marktanteil 2008 noch bei 3,67 Prozent, hat der Deutsche Brauer-Bund für 2012 schon 5,31 Prozent errechnet“, schreibt die WELT. Laut Handelsblatt und Deutschem Brauer-Bund stieg der Absatz von alkoholfreiem Bier 2013 um 12 Prozent. Das Bier nach dem Sport wird zu einem durchaus gängigen Getränk und setzt auf das wachsende Gesundheits- und Körperbewusstsein. Die Industrie lässt sich einiges einfallen, um „alk-free“ Innovationen zu einer verlockenden Alternative zum Alkohol zu machen. Der Markt  bietet bereits zahlreiche Erwachsenenlimonaden, Premium-Säfte in Weinflaschen abgefüllt und Edelwasser an, um dem Gast auch im Restaurant Optionen zu Wein und Bier aufzuzeigen. Neben dem kompletten Verzicht auf Alkohol rücken jedoch auch sogenannte  „gesündere Alkoholgetränke“ in den Fokus. Geht das zusammen mag man skeptisch fragen. In den USA, dem Land der Cronuts, Cragels und Ramen Burger ist alles möglich. Das Produkt ZMIX ist ein ready-to-use Sirup, dass für die Erstellung von Cocktails dienen soll und unterstreicht seine „zero calories“ und entsprechend figurschonenden Charakteristika.

Das man im Umgang mit Alkohol in Bezug auf Gewichtzunahmen bisher recht nachlässig umgegangen ist zeigt die Initiative in den USA, bei der Bars und Restaurants mit über 20 Ablegern ab November 2015 alle Kalorien ihrer Alkoholiker auf der karte kennzeichnen müssen. Für Mischgetränke reicht zunächst auch eine Schätzung durch den Barbesitzer.

Lösungen für den Tag danach

Screenshot Website FicksDie Marke Ficks nennt sich “cocktail fortifier” und  zielt darauf das Hangover-Gefühl nach einer alkoholreichen Nacht zu verhindern. Auf der Webseite wird die Zusammensetzung beschrieben als „flavored cocktail additive infused with vitamins, electrolytes, amino acids, and other nutrients intended to defend against various negative effects of alcohol consumption”. Je nach Cocktail wird die entsprechende Menge des Zaubergetränkes angeraten, um das körperliche Wohlbefinden am nächsten Tag wieder herzustellen.

Alles in allem zeigen die sehr unterschiedlichen Beispiele aus der Gastronomie und Getränkebranche, dass die Innovationen und Angebote Antworten auf das wachsende Gesundheits- und Körperbewusstsein der Konsumenten suchen. Zentral hierbei: Gesundheit wird selbst in die Hand genommen, entsprechend sollen die Angebote möglichst darauf einzahlen einfach und angenehm die Kontrolle zu behalten. Verzicht ist gut, sollte aber nicht allzu spaßbefreit sein.