Abhilfe gegen „Digital Zombies“ oder warum „analog“ für Unternehmen zur Haltung werden kann

Das Thema „Digitale Entgiftung“ beschäftigt schon seit längerem immer wieder den einen oder anderen Journalisten, der sich mutig in den Selbsttest begibt, um am eigenen Leib zu erfahren was Entsagung heißt.  Die Tourismusbranche entdeckt das Potential von Funklöchern und vermarktet tatkräftig „Urlaub ohne…“. Sogar extra Analog-Camps werden für “Digital-Junkies” eingerichtet.

Zugegeben ist der temporäre Verzicht auf das Online -Leben möglich, aber auf Dauer auch keine Lösung. Auf die unliebsamen Nebeneffekte, die die Dauerpräsenz im Netz jedoch mit sich bringt, könnten einige Verzichten.
Während es für Unternehmen und Marken heute strategische Pflicht ist,  da zu sein, wo ihre Konsumenten und Fans sich aufhalten, kann thematisch das Auflebenlassen der analogen Kultur durchaus attraktiv sein.

Coca Cola hat, natürlich auf digitalem Weg, Stellung bezogen zur Misere des kommunikativen Miteinanders in Zeiten von Smartphone und Co. Die Werbeagentur Ogilvy in Dubai hat dafür den „Social Media Guard“ entwickelt. Dieser ist genaugenommen nicht anderes als eine Halskrause aus Plastik, wie man sie von Hunden kennt. Die Coca-Cola Version ist jedoch rot und hat einen anderen Auftrag: gesenkte,  auf Smartphone fixierte Köpfe sollen wieder angehoben und die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht erleichtert werden. Das „Coca Cola Analog Lab“ verspricht im Video: „Der Social Media Guard löst den „social“- Part aus „Social Media“ heraus und befördert ihn dorthin, wo er hingehört: ins Leben.“

Eine schöne Zusammenstellung all dieser Momente, in denen Smartphones die Herrschaft im sozialen Miteinander an sich gerissen haben, zeigt das kurze Video „I forgot my phone“, das nach aktuellem Stand mit über 39.512.203 Millionen Klicks aufwarten kann und sicher auch Inspirationsquelle für Coca Cola gewesen sein dürfte.

Analog“ als neuer Wert in Zeiten der Netzwerkgesellschaft? Coca Cola setzt mit dem „Social Guard“ auf Humor statt moralischen Zeigefinger und erntete dadurch kräftig Clicks. Damit dockt die Marke an ein aktuelles Thema an, das Konsumenten beschäftigt und angeregte Diskussionen befeuert. Im Interview mit der FAZ kündigt Sascha Kuntze, verantwortlicher Kreativdirektor an: „Der Spot ist der erste Teil einer größeren Kampagne, in der wir die Auswirkungen von Social Media mit unseren Kunden diskutieren wollen.“

Diese Diskussion wird natürlich digital stattfinden, oder unbemerkt bleiben.