„Zusammen isst man weniger allein“ – Social Dining in Deutschland

Ein Besuch auf der Berlin Food Week zeigt deutlich: Der Wert Gemeinschaft lebt mit den Food Enthusiasten neu auf. Essen ist schöner in Gesellschaft – auch wenn man diese kaum oder gar nicht kennt. Für die gedruckte Ausgabe des Werte-Index 2014 hatten wir EatWith, ein Start up aus Tel Aviv interviewt. Ziel: Touristen und Einheimische an einem Tisch zu versammeln. Inzwischen gibt es auch in Berlin neben den zahlreichen Supper Clubs wie dem Thyme Supper Club oder dem Muse, ein Start-Up, das Fremde mit Hilfe einer Online Plattform zum Essen zusammenbringen möchte. Anders als bei EatWith oder den Supper Clubs findet das Essen jedoch nicht im privaten Umfeld statt, sondern in einem klassischen Restaurant. mealUp wird gedanklich sehr schnell in die Dating Richtung geschoben, was jedoch nicht die Intention der beiden Gründer Claudio Seidler und Tom Jakubowicz ist. Ihnen geht es darum Leute und gutes Essen miteinander zu vernetzen. Ihr Motto: „Never eat alone“.

Eat&Greet: Essen als Gemeinschaftserlebnis

Auf der Webseite  letsmealsup.com kann man ähnlich wie bei Airbnb ein Profil anlegen und in den dort angeführten Restaurants einen Tisch reservieren, bzw. Termin eintragen und auf Antworten von potentiellen interessierten „Mit-Essern“ warten. Der Vorteil, wenn man den Anfang macht: der  Initiator der Tafelrunde darf selbst über die Zusammenstellung der Runde bestimmen und alle Leute für das gesellige Essen selbst annehmen oder eben auch ablehnen. Aktuell hat mealUp Restaurants in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München für registrierte Nutzer zusammengestellt – nach welchen Kriterien erschließt sich leider nicht über die Webseite.  Eine Verlinkung zu Yelp gibt Aufschluss über die kulinarische Richtung, das Preisniveau und die Bewertung durch andere Gäste. Anders als beispielsweise bei der Mitfahrzentrale geht es nicht darum, Geld zu sparen, sondern es steht tatsächlich die Lust am Austausch und das Kennenlernen von neuen Leuten im Mittelpunkt. Die Gründer betonen im Interview, dass es nicht um Dating geht, sondern vielmehr um einen Versuch dem zeitlich immer mehr online stattfindenden Leben wieder offline Erfahrungen entgegenzusetzen.

Tatsächlich scheint das Kennenlernen bei den Supper Clubs und ähnlichen geselligen neuen Dining-Konzepten dem Essen an sich ein wenig den Rang abzulaufen. So sagt Dylan Watson Brawn von Jung, Grün und blau, einem nur kurzzeitig viel gelobten Pop-Up Restaurant, in einem Interview mit der Deutschen Welle: „Viele in Berlin nutzen die Supper Clubs, um neue Leute kennenzulernen. Das Essen ist für sie zweitrangig. Für mich aber ist das Essen das Wichtigste. Es beeinflusst doch auch, wie sich ein Gespräch entwickelt.”

Während es bei den Supper Clubs oft um Gemütlichkeit, Überraschung und Abwechslung geht, auch weil das Essen eben nicht in einem öffentlichen Restaurants sondern einem privaten Raum stattfindet – wird die Überraschung und Abwechslung bei mealUP durch die Zufälligkeit der zusammenkommenden Gäste, nicht durch das Essen oder den Ort geschaffen.

Der Wert Gemeinschaft wird durch die gemeinsame kulinarische Erfahrung übersetzt. Die Grundlage jeder Gemeinschaft sind geteilte Werte. In der Einigung auf einen Ort und einer Küche schafft man den Auftakt für das Kennenlernen. MealUp macht sich zum Vernetzer und Mediator für ein gutes Essen in Gesellschaft.

Wer sich auch mal wieder online für ein offline Erlebnis vernetzen lassen möchte: https://www.letsmealup.com/